Haarausfall bei Chemotherapie

11.06.2012

Die Diagnose Krebs ist für den Betroffenen und seine Angehörigen zunächst ein Schock. Die heimtückische Krankheit wird nahezu automatisch mit Leiden und oftmals sogar mit dem Tod assoziiert. Tatsächlich können die meisten Krebsarten geheilt werden, sofern sie denn früh genug entdeckt werden. Wie genau die Therapie im Einzelfall aussieht, richtet sich nach der Art der Erkrankung, dem Stadium und auch nach dem jeweiligen Patienten. Ob eine Operation infrage kommt, hängt davon ab, wo sich der Krebs befindet und ob er überhaupt operativ entfernt werden kann. Bei Brustkrebs etwa lassen sich viele der Tumore gut durch einen chirurgischen Eingriff entfernen, oftmals gemeinsam mit dem betroffenen Körperteil.

Warum kommt es bei der Chemotherapie zum Haarausfall?

Bei den meisten Krebserkrankungen wird (unabhängig von einer etwaigen Operation) eine Chemotherapie verordnet. Im Rahmen dieser Behandlung, die über einen bestimmten Zeitraum stattfindet, werden dem Körper sogenannte Zytostatika zugeführt. Diese wirken auf die Krebszellen ein, die sich schnell teilen und können so deren Wachstum und Verbreitung stoppen. Da die Zytostatika allerdings nicht zwischen gutartigen und bösartigen Zellen unterscheiden können, hindern sie auch alle anderen Zellen an einer schnellen Teilung. Im menschlichen Körper sind neben den unterwünschten Krebszellen besonders die Zellen, die für das Haarwachstum zuständig sind, von der Wirkung der Medikamente betroffen. Aus diesem Grund leiden viele Krebskranke, die sich einer Chemotherapie unterziehen, unter Haarausfall. Dieser betrifft oftmals nicht nur den Kopf, sondern den gesamten Körper, darunter auch die Wimpern und Augenbrauen. Für viele Erkrankte ist diese Tatsache eine zusätzliche Belastung. Besonders Frauen leiden häufig darunter, dass ihnen die Haare ausgehen und ihnen somit auf den ersten Blick anzusehen ist, dass mit ihnen etwas "nicht stimmt". Neugierige Blicke auf der Straße tragen nicht selten dazu bei, dass sich die Betroffenen zurückziehen.

Wer verliert seine Haare und wer nicht?

Ob die Chemotherapie tatsächlich zu vollständigem oder partiellem Haarverlust führt, hängt vom jeweiligen Einzelfall ab. Die Art der verwendeten Zytostatika, die individuelle Dosierung und auch die Konstitution des Erkrankten entscheiden darüber, wie stark und in welcher Geschwindigkeit die Haare ausfallen bzw. abbrechen. Der behandelnde Arzt kann oftmals bereits vor Beginn der Therapie abschätzen, wie stark ausgeprägt der Haarausfall sein wird. So kann sich der Patient beizeiten darauf einstellen.

Ist der Haarausfall permanent?

Die gute Nachricht für alle Betroffenen: Haarausfall durch eine Chemotherapie ist ein vorübergehender Zustand. Nach Beendigung der Therapie erholen sich die Zellen, und die Haare wachsen wieder; eine Haartransplantation ist nicht notwendig. Ungefähr drei Monate dauert es im Schnitt, bis die Kopfhaare wieder nachgewachsen sind. Allerdings kann sich die Beschaffenheit derselben leicht ändern, sodass die Haare unter Umständen etwas weicher oder lockiger werden als vor der Chemotherapie.

Welche Hilfsmittel gibt es?

Um den therapiebedingten Haarausfall zu verbergen, bieten viele Krankenhäuser und spezialisierte Arztpraxen Schminkkurse für Betroffene an und zeigen, wie fehlende Augenbrauen und Wimpern kaschiert werden können. Siehe zum Beispiel dieses Video:

Für den kahlen Kopf gibt es verschiedene Lösungen - besonders Frauen greifen oft zu Perücken, um ihre Glatze zu verbergen. Unter Umständen kann der teils recht hohe Kaufpreis für eine Perücke von der Krankenkasse zumindest anteilig übernommen werden. Eine andere Möglichkeit sind Kappen, Hüte oder auch bunte Tücher. Diese werden häufig von jüngeren und modebewussten Damen getragen. Selbstverständlich muss der kahle Kopf nicht unbedingt versteckt werden - manche(r) Betroffene steht offen dazu. Wie auch immer mit dem krankheitsbedingten Haarausfall umgegangen werden soll, sollte sich der Einzelne bereits zu Beginn der Therapie überlegen. So kann er sich entsprechend auf die neue Situation einstellen und entsprechende Maßnahmen ergreifen.